Mittwoch, 4. Oktober 2017

Michael Vogt - Hat ein Wunderheiler seinen Schlaganfall geheilt?

Michael Vogt erlitt am 30.Juni diesen Jahres einen Schlaganfall. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Trotz mannigfaltiger Gerüchte selbst aus Vogts Bekanntenkreis hege ich daran keinerlei Zweifel: Das Schreiben der Uni-Klinik Greifswald wirkt authentisch, alle wichtigen Kontaktpersonen sind ersichtlich und das Ganze wäre notfalls leicht zu überprüfen, wenn es denn Zweifel gäbe. Anders sieht es aber aus mit der angeblichen Energieheilung durch den Wunderheiler Oleg Lohnes sowie den angeblich neu gewachsenen Organen...





Unfähige Schulmedizin?


Gehen wir doch einfach mal ein paar Punkte in Vogts "Klarstellung" (für Insider: Ja, ich weiß, voll lustig) durch:

Vogt: "Die Ärzte prognostizierten, daß ich, wenn ich überlebe und nach Monaten oder Jahren evt. wieder aufwache, ein schwerer Pflegefall sein werde, der weder laufen, sprechen noch selbstständig essen kann."

Im Gegensatz zu Leuten aus Vogts Umfeld glaube ich das sogar. Es entspricht ziemlich genau dem Schulwissen über intrazerebrale Hirnblutungen, welches da sagt:

"Die Sterblichkeit liegt bei etwa 50%. Wird die Blutung überlebt, bleiben häufig schwere Funktionsausfälle wie Halbseitenlähmungen zurück. In der Regel sind die Patienten später auf Hilfe oder Pflege angewiesen."

Vogt weiter: "Die Schulmediziner gaben mir keine Überlebenschancen. Zitat des Arztes zu meiner Frau: „Ihr Mann liegt im Sterben, geben Sie sich keiner Hoffnung hin." Die Ärzte waren hilflos und überfordert und da sie mit ihrem Latein am Ende waren, hatten sie mich aufgegeben."

Hier glaube ich nicht mehr! Wahrscheinlicher scheint mir, dass man seiner Frau mitgeteilt hat, dass man mit der Möglichkeit eines Ablebens rechnen müsse (50% Sterblichkeit bei Hirnblutung). Auch widerspricht das dem Zitat ganz oben, wo man wenigstens die Möglichkeit des Überlebens einräumte. Tatsächlich kann man bei Hirnblutung als Arzt direkt nicht eingreifen, da heißt es in erster Linie beobachten und abwarten. "Hilflos" und "überfordert" sehe ich die Ärzte deshalb aber nicht. Wie man dem Brief seiner Klinik entnehmen kann, haben sie dort die üblichen Maßnahmen durchgeführt.

Vogt: "Mein Leben ist in dieser ausweglosen Situation von Oleg Lohnes, einem exzellenten Energie-Heiler mit enormen Fähigkeiten, gerettet und neu aufgebaut worden."

"Ausweglose Situation"? Ungewiss ist der Ausgang so einer Hirnblutung immer, dass die Situation "ausweglos" war, kann ich aber zumindest in der Beschreibung des Therapieverlaufs der Uni-Klinik Greifswald nicht sehen:

Am 30.6. wurde Vogt "beginnend komatös" und künstlich beatmet eingeliefert. Am 5.7. beobachtete man eine gute Auflösung des Blutgerinnsels. Da man davon ausging, dass das Koma weiter andauern würde, hat man am 11.7. eine Beatmung über einen Luftröhrenschnitt eingerichtet. Bis zu seiner Entlassung am 20.7. wurde Vogt zunehmend wacher und ansprechbarer.

Vogt: "Von Oleg wurde darüber hinaus das, was Schulmediziner für nicht möglich halten, möglich gemacht."

Nein! Auch wenn nach intrazerebralen Hirnblutungen häufig Lähmungen zurückbleiben, wird kein Mediziner sagen, dass dies immer so sein muss. Sicher ist es möglich, dass man einen Schlaganfall übersteht, ohne pflegebedürftig zu werden. Zitat aus obiger Quelle:

"Ob der Patient später auf Hilfe oder gar Pflege angewiesen ist, hängt vom Ausmaß und Ort der Schädigung, dem Alter und Zustand des Patienten und auch dem Vorhandensein von Begleiterkrankungen ab."


Das "neue Gehirn"


Vogt: "Schon nach relativ kurzer Zeit hatte ich einen neuen Körper, ein neues Hirn und eine neue Lunge, welche nach 50 Jahren endlich völlig asthmafrei ist."

Hier sind wir dann im Bereich des Phantastischen! Und ich habe da so ein paar Hinweise gefunden, wie man auf diese märchenhaften Ideen kam: Neben dem Schreiben von Vogts Klinik wurde auch eine Email mit dessen Interpretation von einer Person mit den Initialien "GC" auf Vogts FB-Seite gepostet. Diese schreibt:

"Zum 11.07. war wohl offensichtlich, daß das Gehirn von Herrn Vogt weitestgehend zerstört ist und eine Dauerbeatmung durch eine Luftröhrenkanüle notwendig ist (Tracheotomie) um den weiteren Verlauf abwarten zu können."

Mir ist unklar, wie man von der Tatsache, dass Vogt ab dem 11.7. über einen Luftröhrenschnitt beatmet wurde (Tracheotomie), zu der Annahme kam, sein Gehirn sei weitestgehend zerstört. Die Tracheotomie ist bei zu erwartender Langzeitbeatmung üblich, da vorteilhaft.

Und so war dann wohl die Logik: Wenn sein Gehirn am 11.7. zerstört war, aber er jetzt noch lebt, muss ihm wohl ein neues gewachsen sein ;-)

Wenn er tatsächlich sein Asthma losgeworden sein sollte, freue ich mich für ihn. Aber an die angeblich neu gewachsene Lunge kann ich so wenig glauben wie an das neu gewachsene Gehirn. Wie man schon beim Smalltalk scherzhaft fragte: Wo ist dann die alte Lunge hin?

Exklusivvertrag?

Vogt: "Weitere zusätzliche Einflüsse von anderen Heilern und Energiearbeitern werden nicht gebraucht und sind von mir nicht erwünscht! Außerdem hasse ich Trittbrettfahrer wie die Pest!"

Woher will er das eigentlich wissen, dass - wenn es denn so war - der positive Einfluß auf seine Genesung nur von Oleg Lohnes kam? Immerhin war er doch in der Zeit im Koma. Da sollte ein angeblicher Journalist doch objektiver sein...

Eine alte Bekannte

Vogt: "Da ich im Moment noch Zeit brauche, bis ich richtig belastbar bin, werde ich in nächster Zeit meiner Frau beratend und unterstützend zur Seite stehen, während sie QDTV offiziell vertritt."

Vogts Frau, Sabine Weise, soll ihn bei QuerdenkenTV vertreten. - Ja, da wird die eine problematische Person durch eine andere ersetzt: Die Dame kennen wir nämlich schon aus dem Aufbruch-Team und als Gründungsmitglied des Vereins vom Projekt "Aufbruch Gold-Rot-Schwarz". Damit ist sie mitverantwortlich für die Vertuschung der Finanzen und die Verschleppung der "Alsfelder Beschlüsse" sowie die eigenmächtige Beendigung dieses "basisdemokratischen" Projektes, ohne dass die Mitglieder gefragt worden wären.

Fazit

Vogt hatte offensichtlich einen lebensbedrohliche Schlaganfall und ist dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen. Darum möchte ich auf dem Märchen vom "neuen Gehirn" nicht unnötig rumreiten. Aber wenn er uns wirklich verkaufen will, Oleg Lohnes hätte einen Anteil an seiner Genesung, muss er das schon genauer ausführen. Tatsache ist: Ohne die von ihm geschmähte Schulmedizin, die ihn künstlich beatmete, wäre er möglicherweise schon am ersten Tag erstickt.



Der Kollege von der Reichsdeppenrundschau geht etwas härter mit Vogt ins Gericht:

Kommentare:

  1. Agent Xylakantskij4. Oktober 2017 um 19:03

    Erster!

    Ein "neues Gehirn" könnte Herr Vogt allerdings definitiv gebrauchen: Eines ohne braune Scheiße drin.

    Vielleicht hat er's ja auch nur überlebt, weil nichts drin ist. Und wo nichts drin ist, kann natürlich auch nix kaputt gehen. *fg*

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    1. @Agent Xylakantskij
      Ja, bei der Sache mit dem Gehirn konnte ich mich auch nur schwer zurückhalten...

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    2. Agent Xylakantskij4. Oktober 2017 um 20:10

      Vor allem bei DIESER Steilvorlage hier: "Zum 11.07. war wohl offensichtlich, daß das Gehirn von Herrn Vogt weitestgehend zerstört ist ..."

      Ich tippe mal auf 11.7.2002...oder in welchem Jahr ist er das erste Mal, ähhm, aufgefallen?

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    3. Agent Xylakantskij4. Oktober 2017 um 22:00

      Man könnte es natürlich auch als die ultimative Ausrede sehen, den Finanzbericht nach wie vor nicht veröffentlichen zu müssen.
      "Ätschbätsch! Mein altes Gehirn ist raus! Ich nix wisse von Finanzbericht!"

      Fragen über Fragen...sind Agenten vor Ort?

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    4. "Ätschbätsch! Mein altes Gehirn ist raus! Ich nix wisse von Finanzbericht!"
      Kein Problem, dann nehmen wir seine Ehefrau in die Verantwortung ;-)

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    5. Agent Xylakantskij4. Oktober 2017 um 22:14

      Ich hoffe jedenfalls für Herrn Vogt, dass Oleg Lohnes beim rein teleportieren der neuen Organe auf die richtige Blutgruppe geachtet hat, sonst geht der Energieausgleich nach hinten los...

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    6. Agent Xylakantskij4. Oktober 2017 um 22:22

      Ja schon, aber wenn wir die Ehefrau in Verantwortung nehmen, wer wird dann der neue Pfleger für Herrn Vogt?

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    7. "Ich hoffe jedenfalls für Herrn Vogt, dass Oleg Lohnes beim rein teleportieren der neuen Organe auf die richtige Blutgruppe geachtet hat..."

      Ich frage mal nach...

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    8. Agent Xylakantskij4. Oktober 2017 um 22:55

      Und frag auch nach, ob sie die Abdeckung vom Teleporter endlich mal mit Kaugummi zugeklebt haben, ständig sind da Fliegen rein geflogen und haben schwere Schäden beim Teleportisten verursacht!

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    9. Ich finde die hier in diesem Kommentarbereich gäußerten Gedanken einfach nur krank und distanziere mich hiermit ausdrücklich davon. Werde hier während der nächsten Tage auch nicht mehr reinschauen.

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    10. @MFS
      Wir freuen uns ja, dass Vogt die Sache überstanden hat. Aber über Energieheiler machen wir uns nun mal lustig.

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    11. Dazu kann ich nichts sagen, da ich die ´Energie-Heilung nach Oleg Lohnes´ nicht kenne und mir erst die von ihm hierzu empfohlenen Videos (3,4,5) ansehen müsste.

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  2. Nee, ich bin dafür hier genauer hinzusehen auf welche Weise neue Kunden mit Heilungsanekdoten geworben werden sollen. Psiram hatte auch schon etwas dazu geschrieben. Ich zitiere mal:


    irreführende Angaben zu Hirnblutung und Krankenhausaufenthalt 2017[Bearbeiten]

    Am 30. Juni 2017 erlitt Michael Vogt eine Stammganglienblutung (Form einer Hirnblutung an der Schädelbasis, meist durch nicht behandelten Bluthochdruck ausgelöst), die Vogt als "Schlaganfall im Stammhirn" schilderte. Eine ärztliche Behandlung erwähnt Vogt in einer Stellungnahme nicht, sondern behauptete nur von Ärzten aufgegeben worden zu sein. Zitat Vogt bei facebook: ..Die Ärzte waren hilflos und überfordert und da sie mit ihrem Latein am Ende waren, hatten sie mich aufgegeben... "Völlig gesundet" sei er dagegen durch den Medizinlaien Oleg Lohnes, und er fühle sich nun "wie ein Neugeborener". Vogt: .."Schon nach relativ kurzer Zeit hatte ich einen neuen Körper, ein neues Hirn und eine neue Lunge, welche nach 50 Jahren endlich völlig asthmafrei ist.." Gleichzeitig gab der sichtlich gealterte Vogt jedoch an, nicht richtig belastbar zu sein. Daher müsse ihn seine Frau bei Quer Denken TV vertreten.
    Als Zweifel an seiner Krankengeschichte auftraten (unter anderem durch Peter Feist), veröffentlichte Vogt bei facebook den dreiseitigen Krankenhausbericht seiner Behandlungen am Universitätsklinikum Greifswald. Dieser Bericht widerlegt Vogts Angaben, da mehrere lebensrettende Eingriffe vorgenommen wurden, unter anderem eine Tracheostomie, Vetrikeldrainage, eine Lysetherapie und die Behandlung eines (bereits vorliegenden) Hochdruckleidens. Der notärztlich eingelieferte komatöse Patient hatte zu Beginn eine halbseitige Lähmung, die sich unter der dreiwöchigen intensivmedizinischen Behandlung besserte. Der Patient wurde wach, ansprechbar, kooperativ, freundlich zugewandt zur Verlegung in die Rehaklinik Bavaria in Kreischa entlassen.
    Michael Vogt bewarb in der Vergangenheit Oleg Lohnes und seine Produkte in Werbesendungen bei seinem Youtube-Kanal Querdenken TV.
    Obwohl ein zu hoher Blutdruck ein bekannter Risikofaktor von Hirnblutungen ist, veröffentlichte ein "Gastautor: QuantiSana.TV" am 26. August 2017 (also wenige Wochen nach Entlassung aus der Intensivstation) einen von Manfred Doepp und Heinz Reinwald zu verantwortenden Artikel Die Bluthochdruck-Lügen bei Querdenken TV, der die medikamentöse Behandlung der Hypertonie in Frage stellt. Demnach wäre ..Ein „leichter“ Bluthochdruck [wäre] bei älteren Menschen eigentlich erforderlich, um das Gehirn auf Leistung zu halten. Völlig ausserwissenschaftlich führt Medizinlaie Reinwald die Hypertonie auf einen zu hohen hohen Zuckeranteil und einen zu geringen Proteinanteil in der Ernährung für die Auslöser des Hochdrucks, der einfach nur durch eine veränderte Ernährung zu senken sei. (siehe dazu auch Johann Georg Schnitzer).

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    1. Falls hier grade jemand von Psiram mitliest:

      Könnte das eventuell etwas überzogen sein?

      "Eine ärztliche Behandlung erwähnt Vogt in einer Stellungnahme nicht, sondern behauptete nur von Ärzten aufgegeben worden zu sein."

      Das eine setzt das andere ja nun mehr oder weniger voraus. In keinem Fall schließt es sich aus.

      "Dieser Bericht widerlegt Vogts Angaben, da mehrere lebensrettende Eingriffe vorgenommen wurden..."

      Muss nicht so sein. Möglich, dass er halt dachte, dass man ihn nach den Eingriffen aufgab, als er im Koma lag.

      Ansonsten wie immer ein sehr informativer Artikel!

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    2. @Anonym
      "ich bin dafür hier genauer hinzusehen auf welche Weise neue Kunden mit Heilungsanekdoten geworben werden sollen."

      Tue ich ja. Vogt kann bisher seine Behauptung, der Wunderheiler hätte ihn geheilt, mit nichts objektiv belegen.

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    3. Man muss auch die Frage stellen, an welcher Stelle Vogt meinte, von den Ärzten aufgegeben worden zu sein. Während des Komas oder nach der Entlassung aus der Klinik? Immerhin hat man ihn in eine Reha-Klinik geschickt und nicht ins Hospiz!

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  3. Wenns man das alles mal von hinten her betrachtet,
    hat der Schlag das Wunder nicht geheilt.

    Immer sehn was hinten rauskommt.

    MfG. H. Kohl

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    1. Gut formuliert!
      Natürlich darf Vogt subjektiv den Eindruck haben, der Energieheiler hätte ihm das Leben gerettet und ihn erneuert. Besonders journalistisch oder objektiv ist das dann aber nicht...

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    2. ...und dass die Ärzte ihm angeblich keine Überlebenschance gegeben hätten, hätte ich gerne mal etwas genauer begründet.

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